Crimson Death

im Auftrag von Cryptic Trails

Euer aktuelles Album, „Social Born Killer”, ist ein Konzeptalbum über euer Bandmaskottchen „Evil Joe”, welches einige sehr obskure Hobbys hat und seinen Opfern teilweise auf übelste Art und Weise mitspielt. Wer ist der Kerl eigentlich? Was macht er so, wenn er nicht gerade Leute auseinandernimmt? Und welche Geschichte erzählt ihr auf dem Album genau?

Die Geschichte des Albums beginnt mit Joes Ausbruch aus dem Gefängnis. Warum er dort genau sitzt, wird nicht weiter erwähnt. Man kann sich aber vorstellen, daß es sich dabei nicht um irgendeine Kleinigkeit gehandelt hat. Grob zusammengefasst, wird auf dem Album die weitere Entwicklung von Joe beleuchtet. Er selbst fühlt sich von der Gesellschaft verstoßen und wittert hinter jeder Ecke eine Verschwörung gegen sich. Er bringt immer weniger Verständnis für soziale Normen und Regeln auf und stellt sich schließlich komplett gegen sie. Einerseits sind dafür einige schwere psychische Störungen verantwortlich, die in den einzelnen Songs beschrieben werden. Andererseits begegnet ihm die Gesellschaft mit Stigmatisierung und Verachtung. Es wird also deutlich, daß die Gesellschaft zumindest eine Teilschuld am Werdegang von Evil Joe hat und nun sozusagen mit den Folgen fertig werden muß.

Ihr seid musikalisch eher an schwedischen Bands wie Dismember und Entombed orientiert als an den Amerikanern von Cannibal Corpse oder Six Feet Under. Es scheint ja auch ein Trend zu sein, daß Death Metal immer technischer und frickeliger werden muß, anstatt auf Atmosphäre zu setzen. Dann werden entweder die Produktion zu klinisch, die Songstrukturen zu abgefahren oder gar nicht mehr nachvollziehbar. Oder man entfernt sich, wie im Falle von Bands wie In Flames, über die Jahre soweit von den Wurzeln, daß die eigene Musik nur noch ein poppiger Abklatsch dessen, ist was sie einmal war. Ihr geht da ja in eine ganz andere Richtung. Ist das ein Teil eures eigenen musikalischen Backgrounds oder versucht sich Crimson Death, damit sogar ein wenig abzugrenzen?

Es stimmt schon, daß wir oft dem schwedisch angehauchten Death Metal zugeordnet werden. Allerdings ist das keine Beschreibung, die von uns selbst kommt. Bei uns findet man sowohl „britische” Parts, die an Bolt Thrower erinnern, als auch Stellen, bei denen die bereits genannte Schwedentod Fraktion auf ihre Kosten kommt. Auch schwarzmetallische und melodiöse Riffs gehören zu unserem Sound. Prinzipiell ist es so, daß wir einfach unsere Musik machen, wie sie uns gefällt. Ob man uns jetzt diesem oder jenem Subgenre zuordnet, ist uns eigentlich egal. Wenn wir unseren Stil selbst beschreiben müßten, so wäre die Formulierung Death Metal völlig ausreichend. (Meine Rede! – Herr Achim)

Wie sieht’s bei euch eigentlich mit dem leidigen Thema Lampenfieber aus? Gibt es einen aus eurer Truppe, der immer noch vor einem Konzert Ketten rauchend durch den Backstageraum tigert und sich vor Anspannung die Seele aus dem Leib kotzt oder seid ihr alle cool und abgeklärt?

Kurz vor dem Auftritt steigt natürlich der Adrenalinspiegel etwas an. Da wir aber mittlerweile schon viele Auftritte hinter uns haben, ist das mit der Nervosität eigentlich keine große Sache mehr.

Seit eurer Bandgründung habt ihr eine sehr große Anzahl an Konzerten gespielt. Mangelnde Liveerfahrung kann euch also niemand vorwerfen und ich habe gesehen, daß 2014 auch einiges bei euch ging.

Ihr spielt ja auch viele Festivals und seid in der ganzen Republik unterwegs. Was erwartet eure Fans 2015? Ist da im Rahmen des neuen Albums noch was geplant?

Unsere Festivalteilnahmen waren bisher ja leider doch recht überschaubar. Daher ist es auf jeden Fall ein Ziel für 2015, in der Richtung etwas präsenter zu sein. Das können wir aber nicht zu 100% selbst beeinflußen. Da spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle, um auf manche Festivals zu kommen. Generell möchten wir auf jeden Fall unseren Einflußkreis in Deutschland erweitern oder auch im nahe gelegenen Ausland spielen.

Wie geht ihr als Musiker eigentlich damit um, wenn ein Auftritt mal so richtig kacke verläuft? Es gibt ja solche Tage: Kaum Publikum da, der Tontechniker starrt die ganze Zeit auf sein Handy und verkackt den Sound komplett, man bekommt keine Gage und Freigetränke gibt’s auch nicht… Wie geht ihr mit so was um? Irritiert? Aggressiv? Resigniert?

Das ist uns zum Glück eigentlich noch nie passiert. Klar, uns ist schon mal eine Saite gerissen oder der Sound war scheiße, aber da versucht man dann einfach, das Beste daraus zu machen. Wenn es mal nicht läuft, muß man es einfach trotzdem durchziehen und versuchen, sich die Fehler nicht anmerken zu lassen. Fehler passieren jedem, das gehört irgendwie auch dazu.

Die Pressewelt (auch wir!) haben euer aktuelles Album größtenteils in den höchsten Tönen gelobt und ich glaube, über mangelndes Feedback könnt ihr euch erstmal nicht beklagen. Habt ihr damit gerechnet, nach dem Motto: „Das Album muß die Leute einfach überzeugen” oder haben euch die hohen Wertungen umgehauen, weil ihr das nicht erwartet hattet?

Die positiven Reaktionen auf das Album freuen uns natürlich und bestätigen uns in unserer Arbeit. Allerdings darf man solche Reviews auch nicht überbewerten. Schließlich handelt es sich dabei immer um eine subjektive Meinung. Wir sind jedenfalls mit dem Album sehr zufrieden und haben aus der vergangenen Kritik unsere Schlüsse gezogen.

Zurzeit seid ihr bei 7Hard Records aus Winnenden unter Vertrag, einem Label mit einem weitgefächerten Portfolio an Bands. Wäre der Schritt zu einem größeren Label für euch momentan denkbar oder lehnt ihr das prinzipiell ab?

Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Wir sind bei 7Hard jetzt schon mit dem zweiten Album und auch durchaus zufrieden. Sonst hätten wir die Zusammenarbeit bei „Social Born Killer” ja nicht fortgesetzt. Klar überlegt man sich immer mal wieder, zu einem größeren Label zu gehen. Aber dann hätten wir wahrscheinlich auch mehr Verpflichtungen und könnten weniger selbst bestimmen. Da geht es uns momentan schon relativ gut.

Was dreht sich momentan auf euren Plattentellern? Nennt mir doch mal ein paar Alben von Newcomern oder Veteranen die euch 2014 so richtig aus den Socken gehauen haben. Ihr könnt jetzt euren Bildungsauftrag wahrnehmen und unseren Lesern mal gute Musik näher bringen.

Also bei einem Teil der Band ist da „The Satanist” von Behemoth in Sachen Neuveröffentlichungen ziemlich weit vorne. Ansonsten laufen bei uns auch zahlreiche Klassiker von Bolt Thrower, Grave, Dissection etc., die man einfach immer hören kann.

Ein kleines Spielchen mit euch zum Abschluß. Nicht lange drüber nachdenken, sondern einfach antworten.

Vervollständigt folgende Sätze:

Wenn Crimson Death ein Film wäre, dann wären wir
Crimson Death:…die Hauptdarsteller.

Wenn Crimson Death eine Mahlzeit wäre, dann wären wir
Crimson Death:…Maultaschen.

Wenn Crimson Death in 25 Jahren noch existierten, dann wären wir
Crimson Death:…alt! (Gelächter)

Wenn wir morgen auf dem Cover des Metal Hammer wären, dann würden wir
Crimson Death:…dann wären wir eine Teenie Band. (Gelächter)

Wenn Evil Joe eines unserer Konzerte besuchen würde, dann würde er
Crimson Death:…der einzige Besucher sein, der am Schluß wieder raus kommt.